Geplante Themen: - "491 Tage in russischer Haft" - Tagebuch eines US-Journalisten Evan Gershkovich war 26 Jahre alt, als er 2017 nach Moskau kam, um als Journalist aus Russland zu berichten. Obwohl er in den USA geboren wurde und die US-Staatsbürgerschaft hatte, war er kein "normaler" Amerikaner in Russland: Gershkovich Eltern waren als sowjetische Juden in die USA eingewandert. Seine Mutter wurde in Leningrad geboren, sein Vater in Odessa. Er hat die Kultur der untergegangenen Sowjetunion kennengelernt. Zu Hause in Princeton wurde Russisch gesprochen, es gab russische Küche und sowjetische Zeichentrickfilme. Und so war Russland für Evan Gershkovich einerseits ein Abenteuer und andererseits auch eine Reise in ein Stück Heimat. Über seine Sprachkenntnisse und über seine journalistische Arbeit knüpfte Gershkovich sehr schnell Kontakte in die politischen Netzwerke Russlands. Während er politisch hochbrisante Themen recherchierte, braute sich über ihm etwas zusammen: Im Westen waren mehrere russische Bürger verhaftet und verurteilt worden. Die Anklagen lauteten: Waffenhandel und Spionage. Russland begann seinerseits US-Bürger zu verhaften. 2019 dann der Berliner-Tiergartenmord, dessen Täter Wadim Krassikow 2021 zu lebenslang Haft verurteilt wurde. Putin wollte diesen Mann unbedingt freibekommen. 2023 stellt der russische Inlandsgeheimdienst FSB Evan Gershkovich eine Falle. Er wurde wegen Spionage verhaftet und erhielt 16 Jahre Lagerhaft. Von denen saß Gershkovich 16 Monate im Gefängnis, bevor er und weitere 25 Inhaftierte beim größten Gefangenenaustausch seit dem kalten Krieg gegen den Tiergartenmörder freikam. Jetzt beschreibt Gershkovich diese 491 Tage in Haft in seinem Buch: "Dieses verfluchte wunderschöne Land". (Autor: Ulf Kalkreuth) - Breitscheidplatz 19/12 - ARD-Serie über den Berliner Terroranschlag Einer der schwersten Terroranschläge in der Geschichte der Bundesrepublik. Wie konnte es dazu kommen? Hätte der Terroranschlag verhindert werden können? Wurden Warnsignale ignorier? Gab es Versäumnisse bei den Ermittlungen? Hätte der Täter Anis Amri vor seiner Tat festgenommen werden können? Entlang wahrer Begebenheiten und genauer Recherchen erzählt die sechsteilige ARD-Thrillerserie "Breitscheidplatz 19/12" eine fiktive Chronologie der Ereignisse, die von 2015 bis zur Tragödie auf dem Breitscheidplatz führen. Vor zehn Jahren, am 19. Dezember 2016, verübt der Tunesier Anis Amri im Namen des islamischen Staates einen Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. 13 Menschen sterben, über 60 werden verletzt. Die ARD-Serie "Breitscheidplatz 19/12" erzählt fiktional von den Monaten vor dem Anschlag und rekonstruiert das Geschehen im Vorfeld. Der Schauspieler Albrecht Schuch spielt den Staatsschützer Frank Laudin, der in Nordrhein-Westphalen zu islamistischen Gruppen ermittelt, die mit dem islamischen Staat zusammenarbeiten. Hier gerät auch der spätere Attentäter Anis Amri ins Blickfeld der Polizei. Doch Frank Laudins Warnungen werden vom BKA in Berlin nicht ernst genug genommen. Streitigkeiten um Zuständigkeiten, politische Interessen und bürokratische Hemmnisse behindern die Arbeit der Ermittlungen. Die Serie wirft brisante Fragen auf; wie hätte der Anschlag verhindert werden können? Gab es Versäumnisse bei den Ermittlungen? Die Schauspielerin Bayan Layla spielt die junge Polizistin Isra, die im Film den Spuren Anis Amris nachgeht. Bayan Layla floh 2014 aus Syrien vor dem Krieg und dem IS nach Deutschland und war am Tag des Anschlags auf den Breitscheidplatz in Berlin. Mit ihr spricht "ttt" über die Serie und ihre Rolle. "Breitscheidplatz 19/12" ab 30. Oktober in der Mediathek und am 1. und 6. November im Ersten. (Autor: Lutz Pehnert) - Bücher opfern für die KI? - Wie Techfirmen Antiquariate leer kaufen Seit einigen Wochen werden in deutschen Antiquariaten ungewöhnlich große Buchbestellungen getätigt. Eine kanadische Online-Plattform bestellt Bücher, die vor 2022 erschienen sind, und verschifft sie in die USA. Gutes Geschäft für Antiquare - doch was steckt dahinter? Die Firma Anthropic hat mehrere Millionen Dollar ausgegeben, um ihren KI-Chatbot Claude mit gut geschriebenen Büchern zu füttern, wie Prozessakten des Anthropic-Gerichtsprozesses enthüllen. "Project Panama" ist unser Vorhaben, alle Bücher der Welt zerstörerisch zu scannen" heißt es in einem geheimen Dokument von Anthropic. Vernichten KI-Firmen also millionenfach Bücher, um ihre KI intelligenter zu machen? "ttt" trifft den amerikanischen Investigativjournalisten Emanuel Maiberg des Online-Magazins "404 Media", der es genau wissen wollte. In einer verdeckten Recherche versah er ein antiquarisches Buch mit einem AirTag, um seinen Weg nach dem Ankauf zu verfolgen. Er konnte nachweisen, dass die Bücher in einem Logistikzentrum von Amazon bei Las Vegas landen. Dort wurden die Buchrücken abgetrennt, die Seiten gescannt - das zerstörte Buch landet im Papiermüll. Eines von mehreren Millionen. Denn um KI für den Markt zu trainieren, braucht es von der KI "unverseuchte" Texte und Bücher, die garantiert auf menschlicher Leistung beruhen. Genau deshalb sieht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels darin einen "ungehemmten Raubzug am Urheberrecht", so Vorsteher Sebastian Guggolz. Im "Frankfurter Appell" fordert der Börsenverein mit über 140 Verlagen eine klare gesetzliche Antwort auf das strukturelle Problem. Es bleibt die Frage: Jedes Buch, jeder Textfetzen, den eine KI-Firma in die Hände bekommt, wird zum Wettbewerbsvorteil und verschwindet auf privaten Servern. Wem gehört dann das Wissen der Welt? (Autorin: Brigitte Kleine) - "Nach der Sonne schauen" - Martina Hefters Roman zwischen Tagebau und Zukunft Ehemalige Tagebau-Regionen werden renaturiert, aus verwüsteten Landstrichen werden Naherholungsgebiete. Der neue Roman von Martina Hefter "Nach der Sonne schauen" spielt in dem einstigen Braunkohle-Revier Witznitz II südlich von Leipzig, rund um den gefluteten Hainer See. Dort hat sich die Romanheldin, die Installationskünstlerin Iona Bartschok, in einem umgebauten Umspannwerk eingemietet, um die Umgebung zu erforschen. Sie will für ein Kunstprojekt 3D-Modelle erarbeiten, wie diese Landschaft in 5000 Jahren aussehen könnte. Die Landschaft wird zum Protagonisten im Roman, die Verwerfungen und Schichten im Untergrund werfen bei der Künstlerin Fragen auf: Was ist überhaupt noch Natur, was ist menschengemacht? In detailreiche Beobachtungen von Wetter und Umwelt mischen sich Gedanken über die Kunst, nachdem eines ihrer wichtigsten Kunstwerke - ein in Leipzig ausgestelltes Baumhaus - von einem Künstlerkollegen mit dem Wort "Bullshit" besprüht wurde. Das erinnert an eine persönliche Erfahrung, die Martina Hefter im Zusammenhang mit dem Buchpreis machte, der ihr im Jahr 2024 für den Roman "Guten Morgen, wie geht es dir" verliehen wurde. Im Anschluss an die Preisverleihung gab es verbale Angriffe und heftige Kritiken an der Entscheidung der Jury. In dem neuen Roman verwebt die Autorin Fragen zu Kunst und Verantwortung mit unserem Verhältnis zu anderen und zur Natur. "ttt" hat die Leipziger Autorin am Hainer See getroffen. (Autorin: Hilka Sinning)