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ttt - titel thesen temperamente

Kultur, Magazin • 04.10.2026 • 23:40 - 00:10
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Originaltitel
ttt - titel, thesen, temperamente
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Kultur, Magazin
- "Ihr löscht das Feuer mit Benzin" – Wolf Biermanns unveröffentlichte Tagebücher Mit (fast) 90 dürfte er ein Star der diesjährigen Frankfurter Buchmesse werden. In den Kinos startet ein neuer Dokumentarfilm über ihn, und auch Konzerte mit alten und neuen, demnächst auf CD erscheinenden Liedern wird er geben: Wolf Biermann – Lyriker, Liedermacher, Freigeist und Freiheitskämpfer. Vor 50 Jahren, am 16. November 1976, setzte die DDR-Staatsführung den radikal poetischen Systemkritiker vor die Tür. Nach einem heute legendären Konzert in Köln durfte er nicht zurückkehren nach Berlin, in die Chausseestr. 131, seinen 12 Jahre lang rund um die Uhr von der Stasi überwachten Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Auf Biermanns Ausbürgerung folgte ein intellektueller Aderlass, der mit den Repressalien gegen weitere Kulturschaffende die DDR einherging. Jetzt erscheinen, herausgegeben von dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk, Auszüge von Biermanns Tagebüchern der Jahre 1966 – 1976: "Ihr löscht das Feuer mit Benzin" ist auch die Selbstbefragung eines Künstlers, der nicht zuletzt sich selbst und seinen "Kindertraum vom Kommunismus" in Frage stellt. "Nur wer sich ändert, bleibt sich treu", meint Wolf Biermann, plädiert weiter dafür, "im Streit mit der Welt nicht den Schwanz einzuziehen" und fragt, in einer zeitlosen Liedzeile: "Wann ist endlich Frieden in dieser irren Zeit?". "Ihr löscht das Feuer mit Benzin" erscheint am 7. Oktober. (Autor: Andreas Lueg) - Kunst auf Kommando – Was die NVA an der Kunst suchte "Meistert die Waffen, stürmt die Höhen der Kultur!" – Sturmangriff mit Pinsel und Palette? Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden eröffnet ab 9. Oktober eine Ausstellung "Kunst auf Kommando? Werke zur Nationalen Volksarmee der DDR". Schon der Umstand, dass die NVA sowohl Auftraggeber als auch Ankäufer von Kunstwerken war, ruft heute Verwunderung hervor. Der Titel ist provokatorisch gemeint und von "NVA-Kunst" wird nicht gesprochen, dazu sei die Sammlung zu und erstaunlich vielseitig. Die Ausstellung mit 200 Gemälden, Grafiken und Plastiken von 100 Künstlerinnen und Künstlern fragt im großen Rahmen nach den Beziehungen zwischen Kunst und NVA und konkreter: Wie fand der Kalte Krieg in dieser Malerei statt? Was bezweckte die Armee, indem sie Kunst in Auftrag gab? Wie sollte die Kunst, koordiniert von der "Politischen Hauptverwaltung", zur Erhöhung der "Kampfkraft" dienen? Welche Spielräume hatten die Künstlerinnen und Künstler? Das Militärhistorische Museum hat seit den späten 2000er Jahren auch Werke gesammelt, die den offiziellen Positionen in der DDR widersprachen, also auch ausdrücklich ganz und gar nicht "auf Kommando" entstanden – womit die Ausstellung über den Bestand des Museums hinausgeht. (Autor: Meinhard Michael) - Helden oder Verräter? Die gefährliche Welt der Whistleblower Whistleblower leben gefährlich. Ein Click und ein Geheimnis erreicht die Weltöffentlichkeit. Sie gelten als Helden. Oder Verräter. Der preisgekrönte Regisseur Marc Bauder erkundet mit seinem Dokumentarfilm "Whistleblower" die Welt dieser Informanten, in der es lebensnotwendig ist zu wissen, mit wem, wann und wie Wissen geteilt wird. Über drei Jahre begleitet er Jäger und Gejagte weltweit und jene, die die Whistleblower schützen: Menschenrechtsanwälte, aber auch Delphine Halgand-Mishra mit ihrer Organisation "The Signal Networks". Ihr geht es darum, den Whistleblowern ein Leben "danach" zu sichern. Notfalls organisiert sie politisches Asyl. Heute sind Whistleblower gefährdeter denn je, das ist die Erkenntnis des Regisseurs. Mit "ttt" diskutiert er, warum Whistleblower ihr Leben und ihre Freiheit riskieren, um die Öffentlichkeit über Missstände zu informieren. "Whistleblower" kommt am 15. Oktober in die Kinos. (Autorin: Petra Dorrmann) - Die Zukunft klingt analog – Fink mit neuem Album auf Tour "Looking Too Closely". Zu genau hinschauen. So heißt Finks größter Hit. Der Titel ist auch eine Warnung. Nicht alles wird besser, wenn man es zu intensiv erforscht. Man kann sich in Details verlieren, die eigenen Fehler so lange betrachten, bis sie alles andere überdecken. Fink (Finian Greenall) hat den Song als Stück über die Beziehung zu sich selbst beschrieben: Sei gütig. Auch zu dir selbst. Der Songtext ist typisch für Fink. Seine Lieder kreisen um Wahrnehmung, Erinnerung und kleine Verschiebungen unter der Oberfläche. Er bearbeitet ein Stück wie ein Bildhauer eine Skulptur: dreht es, erforscht es, nimmt weg, fügt hinzu, bis nur noch das Allernötigste bleibt. Minimalismus in der Form. Maximalismus im Gefühl. Sein Vater war Folk-Musiker. Im Elternhaus gab es eine alte Martin-Gitarre, die der junge Fin nicht anfassen durfte. So bekam dieses Instrument früh etwas beinahe Unerreichbares. Bis Fink Jahrzehnte später genau diese Gitarre von seinem Vater geschenkt bekommen sollte. Musikalisch war Fink zuvor ganz anders unterwegs: als DJ und Produzent elektronischer Musik. Später erst rückten Stimme, Gitarre, Folk und Blues ins Zentrum. Die Grundidee des Elektro blieb – in den Wiederholungen, den Pausen, den präzise gebauten Klangräumen. Finks Musik braucht selten viel. Eine Gitarre, seine Stimme, einen Rhythmus. Und Zeit. Heute: alles handgemacht, aufgenommen auf analogem Equipment vor 1974. Mehr als ein Jahrzehnt nach "Looking Too Closely" geht es auf seinem neuen, neunten Album wieder um das genaue Wahrnehmen. "The City Is Coming To Erase It All" heißt es. Die Zeile stammt aus "Memorise Your Senses". Fink beschreibt darin eine nächtliche Fahrt durch Cornwall: das offene Fenster, die Luft, den Geruch der Felder. Einen Moment, den er sich möglichst genau einprägen will. Denn zurück im Berliner Großstadtleben wird aus dieser unmittelbaren Erfahrung langsam Erinnerung. Fink spricht auch davon, dass stille, abgelegene Orte verschwinden. "ttt" trifft Fin Greenall in seinem Studio in Berlin und auf der Bühne: beim Auftakt seiner Europe Tour 2026 im Leipziger UT Connewitz. (Autor: Andreas Krieger)