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aspekte

Info, Reportage • 08.05.2026 • 23:30 - 00:15
Logo "aspekte".
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Jo Schück
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Jo Schück
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Jo Schück und Katty Salié
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Originaltitel
aspekte
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Info, Reportage
Die Biennale von Venedig ist in diesem Jahr zum Kampfplatz für die ungelösten politischen Konflikte unserer Zeit geworden: "aspekte" unterwegs auf der wichtigsten Kunstausstellung der Welt. Katty Salié besucht den umstrittenen russischen Pavillon, fragt, wie die rechte Meloni-Regierung die Ausstellung verändert hat, erkundet den deutschen Pavillon und den österreichischen Beitrag: die radikale Nackt-Performance von Florentina Holzinger. Die Hauptausstellung "Minor Keys"- in Moll-Tonart - will eigentlich einen Kontrapunkt zu den politischen Konflikten der Gegenwart und einen Ort des kollektiven Aufatmens schaffen. Das ist das Motto, das die im vergangenen Mai überraschend verstorbene Kuratorin Koyo Kouoh ihrem Team mit auf den Weg gab. Kunst soll in Zeiten multipler Krisen zur Oase der Ruhe und des Nachdenkens werden. Doch die geopolitischen Konflikte holen die Biennale ein. Um die Teilnahme Russlands und um den Standort des israelischen Pavillons sind heftige Diskussionen entbrannt. Jetzt hat die Jury sogar beschlossen, Russland und Israel bei der Preisvergabe nicht zu berücksichtigen. Selten schien das "Geschäftsmodell" der Biennale so fragwürdig wie bei dieser 61. Ausgabe: Der friedliche Streit der Nationen auf dem Feld der Kunst. Während die teilnehmenden Staaten sich zeitgleich bombardieren oder mit Drohnen und Raketen beschießen? Was sollte Kunst da bewirken? Von einer Diplomatie der Schönheit spricht Pietrangelo Buttafuoco, der von der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni eingesetzte Präsident der Biennale. Meloni arbeitet seit ihrem Amtsantritt 2022 an einem konsequenten Umbau der italienischen Kulturlandschaft: Kritische Stimmen werden marginalisiert, öffentliche Medien wie die RAI werden zunehmend auf Regierungslinie gebracht und zentrale Kulturpositionen politisch neu besetzt. Wie wirkt sich das auf den italienischen Pavillon und die Hauptausstellung aus? Katty Salié wird darüber mit Chiara Camoni, Künstlerin des italienischen Pavillons, der Schriftstellerin Beatrice Salvioni, dem Kunsthistoriker Tomaso Montanari und der Musikerin Gianna Nannini sprechen. Dass Kunst die Betrachter verändern kann, hat die gefeierte Performerin Florentine Holzinger schon oft unter Beweis gestellt. Sie bespielt den österreichischen Pavillon mit einer radikal performativen Live-Installation "Seaworld Venice", die mit Aktionen in Stadt und Lagune erweitert wird, wobei Wasser als zentraler Schauplatz körperlicher Grenzerfahrungen fungiert. Typisch für Holzinger, es verbinden sich extreme Körperlichkeit und feministische Selbstermächtigung zu einem vielschichtigen Erlebnis zwischen Theater, Tanz und Bildender Kunst. Im Deutschen Pavillon erwartet die Besucher die Ausstellung "Ruin" von den beiden ostdeutschen Künstlerinnen Henrike Naumann und Sung Tieu, die sich mit Brüchen deutscher Geschichte, insbesondere der DDR, Wiedervereinigung und der belasteten Architektur des Pavillons, auseinandersetzt. Überschattet wird der Beitrag vom Tod Henrike Naumanns wenige Wochen vor der Eröffnung - ihre konzeptuell abgeschlossene Arbeit wird dennoch posthum realisiert und prägt den Pavillon als künstlerisches Vermächtnis.