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artour

Kultur, Magazin • 22.05.2026 • 01:20 - 01:50
Die Moderatoren der Sendung Thomas Bille und Evelyn Fischer.
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Moderatorin Evelyn Fischer.
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Moderator Thomas Bille.
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Originaltitel
artour - Das Kulturmagazin des MDR
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Kultur, Magazin
Harzreise Als Heinrich Heine 1826 seine "Harzreise" veröffentlichte, war er gerade Ende zwanzig. Reiseberichte über den Harz gab es damals viele – doch keiner war wie dieser. Heine verband Naturbeschreibung mit scharfem Witz, romantische Schwärmerei mit Spott, persönliche Begegnungen mit präzisen Beobachtungen über Deutschland und seine Bewohner. Das Buch machte nicht nur den Harz zu einem literarischen Sehnsuchtsort, sondern auch Heine schlagartig berühmt. Fast 200 Jahre später folgt der Schriftsteller Steffen Kopetzky denselben Wegen: von Göttingen über Goslar und Wernigerode bis hinauf auf den Brocken. Wochenlang ist er allein zu Fuß unterwegs, aber nie einsam – er spricht mit Menschen am Wegesrand, durchquert Wälder, Städte und Landschaften voller Geschichte. Seine Reise wird dabei weit mehr als eine literarische Spurensuche. Sie wird zum Porträt eines Landes zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf der Suche nach sich selbst. Vieles ist passiert seit Heines Zeiten – politisch, gesellschaftlich, landschaftlich. Und doch begegnet Kopetzky unterwegs immer wieder erstaunlichen Parallelen: Debatten über nationale Identität, Sehnsucht nach früheren Zeiten, Ängsten vor Veränderung. Selbst der Harzwald, heute vielerorts vom Borkenkäfer zerstört, sah schon zu Heines Zeiten ähnlich kahl aus. Über allem steht jener Satz, den Heine seiner "Harzreise" voranstellte – ein Zitat von Ludwig Börne: "Nichts ist dauernd als der Wechsel." Genau davon erzählt auch Kopetzkys Wanderung: vom Wandel Deutschlands, Europas und der Frage, wie ein Land auf sich selbst blickt. Der Brocken wird dabei zum Aussichtspunkt auf die Geschichte der Deutschen – und vielleicht auch auf ihre Zukunft. Porträt Christine Koschmieder, Lesefest Dessau Kein Haus, keine Ehe und kein Geld. Viele Jahre hat die Schriftstellerin Christine Koschmieder nach dieser Maxime gelebt. 21 Mal ist sie in ihrem Leben umgezogen. Sie hat drei Kinder zur Welt gebracht, Männer verlassen und verloren und ist zur Alkoholikerin geworden. Jetzt ist sie trocken und will ein paar Dinge anders machen, in einem Haus nur für sich. Für 21.000 Euro kauft sich die Schriftstellerin ein Häuschen in Sachsen-Anhalt, mitten in der Provinz, mitten in der von Klischees überfrachteten Region ländlicher Osten, Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Hier fängt sie an, Wände einzureißen, Mauern zu verputzen und Kabel zu verlegen. Und sie fängt an, über ihre Erfahrungen als Hausbesitzerin zu schreiben. In "Ein Haus für mich" geht es um Buntlack, Schaltkreise und Nachbarn. Und es geht um das Bild, das wir von Häusern, Eigentum und dem Leben auf dem Land haben. Wessen Geschichten gilt es zu entdecken, welche Bilder zu korrigieren, und wem gehören eigentlich die Häuser? – Nach dem großen Erfolg von "Dry" setzt Christine Koschmieder in ihrem neuen Buch "Ein Haus für mich" ihre Bestandsaufnahme fort. Ihr Memoir ist eine Ermutigung für alle, die gute Orte schaffen wollen. Freiheit der Kunst in Gefahr? Die kulturpolitische Front in Sachsen-Anhalt Eine "neue, patriotische Kulturpolitik" hat die AfD Sachsen-Anhalt auf ihrem Landesparteitag in ihrem Regierungsprogramm für die Landtagswahlen am 6. September beschlossen. Sie will Patriotismus fördern und "kein Staatsgeld für antideutsche Kunst und Kultur" ausgeben. Anfänglich haben sich ca. 27 Kulturinstitutionen, mittlerweile fast 70, von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, dem Theater Magdeburg, dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste bis zur Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen, in einer gemeinsamen Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt und warnen vor einer "nationalistisch ausgerichteten" Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt. Sie sehen die Freiheit und Unabhängigkeit der Kunst in Gefahr. "artour" mit Stimmen über die kulturpolitische Auseinandersetzung in Sachsen-Anhalt. Nachruf: Angelica Domröse "Wir lassen es dauern, solange es dauert." Mit diesem Satz wird Paula zu einer der schillerndsten Erfindungen im Kino der DDR. Ihr Lebensanspruch steht in keinem Kollektivplan und ihre Glückssuche hält sich an keine Norm. Paula will, was sie will. Und sie will Paul. Angelika Domröse war mit 32 Jahren eigentlich schon zu alt für diese Rolle. "Ich bin's. Ich bin Paula", beschwor sie den Regisseur Heiner Carow. Der Film "Die Legende von Paul und Paula" wurde ein Kultfilm, einer von fast 70 Filmen, in denen Angelica Domröse spielte. Nun ist Angelica Domröse, die großartige Schauspielerin, mit 85 Jahren gestorben. Ihre Paula lebt weiter. Kulturkalender - Blickwechsel – Internationales Figurentheaterfestival, Magdeburg, Puppentheater, 29. Mai bis 5. Juni - Die Einstürzenden Neubauten beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, Konzert am 22. Mai - "Der Rumgeher" - Ausstellung über den Animationsfilmer Jörg Herrmann, Dresden, Technische Sammlungen