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artour

Kultur, Magazin • 26.03.2026 • 21:15 - 21:45
Die Moderatoren der Sendung Thomas Bille und Evelyn Fischer.
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Moderatorin Evelyn Fischer.
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Moderator Thomas Bille.
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Originaltitel
artour - Das Kulturmagazin des MDR
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Kultur, Magazin
Das Bauhaus wird 100 - Fünf Ausstellungen zur Geschichte der weltberühmten Architekturschule Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus-Gebäude in Dessau fertiggestellt, die Ausbildung am neuen Standort nahm Schwung auf. Dieses Jubiläum wird in Dessau mit zwei größeren Ausstellungen und drei weiteren Präsentationen in der Stadt gefeiert. Am kommenden Wochenende beginnt ein dichtes Programm. Titel und Motto: "An die Substanz". Gemeint sind die Materialien, mit denen das Bauhaus seine Erfolgsgeschichte schrieb. Da sind - wie zu erwarten war - Glas, Beton, Metall. Auf drei Etagen kann im Hauptgebäude verfolgt werden, wie und warum die Bauhäusler mit dieser "Substanz" ausgebildet wurden, welche Rolle sie in der Wendung der Institution zum industriellen Bauen spielten; genauso sind aber - vor allem im Metall - Ausbrüche und Sonderformen sichtbar. Eher unerwartet kommt die zweite große Ausstellung im ehemaligen Kaufhaus Zeeck in Dessau daher. Hier geht es um Algen / Schutt / CO2, aber auch um Lehmbau, Hanfmaterialien oder Pilzmyzel - als Baumaterial, also um die Zukunft: wie kann ökologischer und nachhaltiger gewirtschaftet und gebaut werden? Monika Maron "Immer noch freundlich, aber kaum noch geduldig - Tagebücher 1980-2021" Ihre Tagebücher waren nie für die Veröffentlichung geschrieben, nur zur Selbstverständigung und Erinnerung. Und sie war entschlossen, sie vor ihrem Tod zu verbrennen. Doch bei der Recherche für einen Roman kramte sie in ihren Notizen vergangener Jahre. Und empfand sie beim Wiederlesen als gar nicht so peinlich, wie sie vermutet hatte, und dass sie als "Spiegel der Zeit" auch für mehr Leute interessant sein könnten als nur für sie. In den Tagebüchern findet sich wenig Privates. Es geht vor allem um ihr Reisejahr 1983/84, als sie sich die Genehmigung erkämpft hatte, ein Jahr die DDR verlassen zu dürfen. Sie reist nach London, Rom, Paris und New York, aber immer allein, mit wenig Geld, meist untergebracht bei Freunden von Freunden. Ihre letzten Tagebucheintragungen handeln von ihrem Zerwürfnis mit dem S. Fischer Verlag, der sich 2020 von seiner langjährigen Autorin trennte. "artour" hat Monika Maron zum Interview in ihrer Berliner Wohnung getroffen. Horst Schlämmer ist zurück und auf der Suche nach dem Glück Lässt sich mit Doornkaat Deutschlands Alltag besser ertragen? Nach 17 Jahren lässt Hape Kerkeling seine Kultfigur mit dem beigen Trenchcoat, Vokuhila und Überbiss wieder auferstehen. In seinem letzten Film "Horst Schlämmer - Isch kandidiere!" (2009) wollte der Chefredakteur des "Grevenbroicher Tagblatt" noch Bundeskanzler werden. Nun macht er sich auf die Suche nach dem Glück. Denn er ist ausgesprochen genervt davon, dass die Stimmung in seinem Land so mies ist. Alles wird teurer, die Menschen jammern und werden immer intoleranter. Also begibt er sich auf einen Roadtrip. Gemeinsam mit einer jungen, versierten Kamerafrau aus dem Social Media Team seiner Zeitung fährt Horst Schlämmer quer durch Deutschland, um herauszufinden, was die Menschen glücklich macht und um ihnen wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. In gewohnter Horst-Schlämmer-Manier gerät er dabei in die absurdesten Situationen. Er trifft auf Drogendealer, Politiker, Superreiche, Psychologen oder Seefahrer. Immer etwas fehl am Platz, mit seiner mehr als direkten Art stets ein bisschen übergriffig und mit seinem Humor nicht selten unter der Gürtellinie. Und trotzdem: Er wird von allen angenommen. Denn egal wie unterschiedlich die Menschen auch sein mögen, Horst Schlämmer begegnet jedem auf Augenhöhe und behandelt alle gleich. Und genau das macht ihn so liebenswert. Horst Schlämmer sei "der notwendige Stimmungsaufheller in einer Zeit, in der wir alle lernen müssen, dass Demokratie nicht einfach wie Strom aus der Steckdose kommt", sagt Hape Kerkeling. "Horst Schlämmer sucht das Glück" ist ab 26.3. im Kino. Wer hat Angst vor Populismus? Die Krise der liberalen Demokratie Der prominente Historiker Jörg Baberowski hat gerade ein viel beachtetes Buch vorgelegt: "Am Volk vorbei - Zur Krise der liberalen Demokratie". Das Wissen um die Geschichte mache es ihm leichter, die Gegenwart nicht nur zu ertragen, sondern mit Zuversicht zu sehen, so Baberowski im Interview. Der Aufstieg des Populismus, den wir derzeit in allen westlichen Demokratien erleben, ist ein Reflex auf die Krise der liberalen Demokratie und war diesem System schon immer eingeschrieben. Der Osteuropa-Historiker ist überzeugt, dass die Populisten das Sprachrohr der Ungehörten, der Ohnmächtigen sind, dass der Populismus der Aufschrei jener ist, die sich nicht mehr vertreten fühlen von den Volksvertretern. Baberowski erzählt in seinem Buch davon, dass dieser Protest nicht nur von den Rändern der Gesellschaft kommt, sondern mittlerweile bis in die Mittelschicht hineinzuhören ist, und dass er als ein dringendes Zeichen ernst genommen und als belebendes Element für die Demokratie verstanden werden muss. Er wirft die Frage auf, wie es zur Krise der liberalen Demokratie kommen konnte. Seine Antwort lautet: Ein neoliberaler, global agierender Kapitalismus, der von der Politik aus der politischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Verantwortung entlassen wurde, hat die Politik und ihre Repräsentanten entmachtet - sie sind zu Verwaltern des Status quo geworden, austauschbar, Funktionäre der Macht. Die Menschen spürten genau, so Baberowski, ob ihre Stimme wirklich etwas bewirkt.