"Rose" - die Schauspielerin Sandra Hüller in einer großartigen Rolle Im 17. Jahrhundert taucht in einem abgelegenen protestantischen Dorf in deutschen Landen ein mysteriöser Soldat auf. Der Dreißigjährige Krieg hat in den Landschaften und Menschen seine Spuren und Narben hinterlassen. "Rose", der seltsame und wortkarge Fremde, dessen Gesicht von einer Narbe entstellt ist, gibt sich als Erbe eines verlassenen Gehöfts aus. Um seinen Anspruch zu untermauern, legt er den misstrauischen Dorfbewohnern ein Dokument vor. Mit der Zeit geben sie ihre Zweifel auf. Er erweist sich als fleißiger und gottesfürchtiger Mann und wird Teil der Gemeinschaft, wenngleich sein Wunsch nach Zugehörigkeit auf einer unhaltbaren Lüge fußt. Denn "Rose" ist in Wahrheit eine Frau, die sich als Mann ausgibt. Eine Lüge, die ihr zu einem besseren, selbstbestimmteren Leben verhelfen soll, mit Freiheiten und Akzeptanz in der Dorfgemeinschaft. Die wahre Geschichte einer Land-und-Leute-Betrügerin, die als Frau geboren wurde, sich wie ein Mann verhielt und ein ganzes Dorf täuschte. Sandra Hüller spielt "Rose" so einnehmend gut, einerseits so drastisch ihr Mann-Sein behauptend und andererseits geradezu innerlich verletzt durch die Lebens-Verstellung. Das Historiendrama in schwarz-weiß von Markus Schleinzer hatte am 15.02. auf der Berlinale Premiere und wird jetzt schon als ein Höhepunkt des Wettbewerbs gefeiert. Der Film "Staatsschutz" feiert Premiere auf der Berlinale Mit "Staatsschutz" bringt Faraz Shariat einen ebenso dringlichen wie spannungsgeladenen Justizthriller auf die Leinwand der Berlinale. Im Zentrum steht die junge Staatsanwältin Seyo Kim, eindrucksvoll verkörpert von Chen Emilie Yan in ihrem Kinodebüt. Nach einem rassistischen Anschlag auf ihr Leben wird sie zur Anklägerin im eigenen Fall - und gerät in Konflikt mit einem System, das rechte Gewalt verharmlost. Basierend auf einem Drehbuch von Claudia Schaefer und ihren Ko-Autorinnen verbindet der Film intensive Recherche mit den Mitteln des Thrillers. Inspiriert von realen Fällen wie dem NSU-Komplex oder Hanau zeichnet "Staatsschutz" das Porträt einer Frau, die an die Objektivität der Justiz glaubt - und an deren Grenzen stößt. Shariat inszeniert keinen Thesenfilm, sondern ein beklemmendes Drama über strukturellen Rassismus, institutionelle Blindheit und die Frage, ob Widerstand von innen möglich ist. Getragen von einem starken Ensemble, darunter Julia Jentsch, entwickelt sich der Film zu einem kraftvollen Plädoyer für eine wehrhafte Demokratie - und zu einem der politisch brisantesten Beiträge des Festivals. Im Herbst kommt "Staatsschutz" bundesweit in die Kinos. "artour" hat mit Faraz Shariat, Claudia Schaefer und Chen Emilie Yan über ihre persönlichen Erfahrungen, die mehrjährige Recherche und die politische Dringlichkeit des Stoffes gesprochen. Der Film "Ghost School" von Seemab Gul und ein Gespräch mit der Regisseurin Die Berlinale-Sektion "Generation" zeigt Filme, die sich mit der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen, mit Fragen nach Identität und Zukunftsperspektiven. In "Ghost School - Geisterschule", dem Debüt der britisch-pakistanischen Regisseurin Seemab Gul, erlebt die zehnjährige Rabia, dass ihre Schule geschlossen wird, weil sie verflucht und von einem bösen Geist besessen sei. Rabia findet sich nicht ab, stellt Fragen - und stößt auf eine Mauer aus Schweigen. Der Film handelt von Aberglauben, Korruption und Ungleichheit, gerade auch beim Zugang zu Bildung. "artour" spricht mit der Regisseurin über ihren magisch-suggestiven, manchmal skeptischen, aber so gar nicht resignierenden Film. Die "Ostdeutsche Allgemeine Zeitung" - eine Zeitung für Ostdeutschland Der Berliner Verlag und sein nicht ganz unumstrittener Verleger Holger Friedrich wollen die Zeitungslandschaft nicht nur Ostdeutschlands durch eine überregionale Tageszeitung mit spezifisch ostdeutschem Blick erweitern: Am 20. Februar erscheint erstmals die "Ostdeutsche Allgemeine Zeitung", kurz OAZ. Eine durchaus vielversprechende Idee. Studien, wie die der Otto-Brenner-Stiftung aus dem Jahr 2021, zeigen, dass sich der ostdeutsche Zeitungsmarkt stark vom westdeutschen unterscheidet. Überregional erfolgreiche Publikationen wie die FAZ, Süddeutsche Zeitung, ZEIT oder Spiegel finden im Osten kaum Leser. Die ostdeutschen Tageszeitungen, darunter die Magdeburger Volksstimme und die LVZ, sind in der Hand westdeutscher Verlage. Entsprechend gering ist das Vertrauen der ostdeutschen Bevölkerung in die Medien. Dorian Baganz, Chefredakteur der OAZ und zuvor beim "Freitag" tätig, stammt zwar ebenfalls aus dem Westen, behauptet aber, typisch ostdeutsche Eigenschaften könne man trotzdem besitzen. Die Frage bleibt jedoch: Was genau sind diese Eigenschaften? Laut der Studie des Leipziger Medienwissenschaftlers Lutz Mükke ist eine gemeinsame Osterfahrung die Voraussetzung. Die OAZ spricht von Bescheidenheit, Pragmatismus und Resilienz. Darüber hinaus wird eine politische Haltung betont, die sich beispielsweise durch eine andere Sicht auf Russland und die Energiepolitik auszeichnet. Mit diesem neu definierten "Ostprofil" möchte die OAZ auch Leser im Westen gewinnen. Der Start erfolgt mit einem digitalen Tagesangebot und einer gedruckten Wochenendzeitung, deren Erstauflage auf 40.000 Exemplare angelegt ist. "artour" hat die Redaktion der OAZ in Dresden besucht, außerdem sprechen wir mit Lutz Mükke und der Medienwissenschaftlerin Judith Kretzschmar von der Uni Leipzig. Kulturkalender * Naturkundemuseum Erfurt "Die Vogel-WG - Die Heinroths, ihre 1000 Vögel und die Anfänge der Verhaltensforschung" über ein Paar, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ihrer Berliner Mietwohnung die Küken von 250 verschiedenen Vogelarten aufzog und ihr Verhalten beobachtete, bis 03.05.2026 * Film "Dead of Winter - Eisige Stille" von Brian Kirk, mit Emma Thompson, Filmstart 19.02. * " Woyzeck" Bühnen Halle, nach dem Stück von Georg Büchner | Songs und Liedtexte von Tom Waits und Kathleen Brennan | Konzept von Robert Wilson | Textfassung von Ann-Christin Rommen