MDR

artour

Kultur, Magazin • 23.01.2026 • 01:00 - 01:30
Die Moderatoren der Sendung Thomas Bille und Evelyn Fischer.
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Moderatorin Evelyn Fischer.
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Moderator Thomas Bille.
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Originaltitel
artour - Das Kulturmagazin des MDR
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Kultur, Magazin
Erfundene Vergangenheit: KI-Bilder und ihre Folgen für die Erinnerung an den Nationalsozialismus Ein abgemagerter KZ-Häftling hinter Stacheldraht, ein Kind, dramatisch von der Mutter getrennt: KI-Bilder, die sich als "Holocaust-Fotos" ausgeben, fluten soziale Netzwerke. Gedenkstätten und Archive registrieren seit Monaten eine Zunahme - und fordern in einem offenen Brief, Plattformen sollten konsequent gegen diese Verfälschungen vorgehen. "Fake History", nennt es Pawel Sawicki vom Auschwitz Memorial: Im Mai 2025 schlug er Alarm, nachdem das Foto der ermordeten Niederländerin Helena Waterman de Jong entwendet und als KI-Version verfremdet verbreitet wurde. Die Mechanik dahinter ist makaber: maximale Emotionalisierung bringt Likes, Reichweite und - über Monetarisierungsprogramme - Geld; Content-Farmen produzieren den Stoff. Weil es aus Lagern nur wenige echte Bilder gibt, wirkt der KI-Überfluss umso mächtiger: Geschichte wird verzerrt, Würde verletzt - und Zweifel werden einfacher. Wir haben den Neffen von Helena Waterman de Jong in Amsterdam getroffen und interviewen Jakob Schergaut vom Historischen Institut der Universität Jena, der zum Thema forscht und über die Hintergründe und das Problem von Fake History spricht. Dokumentarfilm "Fassaden" - Ein Blick hinter die Mauern häuslicher Gewalt Fast jede vierte Frau macht im Laufe ihres Lebens mindestens eine Gewalterfahrung. Häufig sind es der Partner oder der Ehemann, die sie misshandeln, und oft geschieht dies im eigenen Zuhause - hinter verschlossenen Türen, unsichtbar für die Blicke von Nachbarn und Freunden. Die Filmemacherin Alina Cyranek wollte wissen, was sich hinter diesen Fassaden abspielt. Für ihren gleichnamigen Film "Fassaden" hat sie Geschichten betroffener Frauen gesammelt. Es geht um toxische Beziehungen, Missbrauch und das Gefühl der Hilflosigkeit. Ihre Recherchen hat sie zu einem Erlebnisbericht verwoben, dem die Schauspielerin Sandra Hüller stellvertretend für die Frauen ihre Stimme leiht. Untermauert wird die Erzählung durch Expertinnen und Experten aus Polizei, Sozialarbeit, Rechtswissenschaft und Psychologie. In "artour" sprechen wir mit der Filmemacherin über ihre Beweggründe, dieses Thema in die Kinos zu bringen und besuchen eine Psychologin in Halle, die betroffene Frauen behandelt. Das Akkordeon ist Instrument des Jahres 2026 Es sähe aus wie eine Mischung aus Klavier, Faltenrock und Registrierkasse, so beschrieb der Autor Wieland Freund das Akkordeon. Das Instrument wird häufig als Kleine-Leute- und Straßenmusiker-Utensil abgetan. Dabei kann man damit auch auf großer Bühne virtuos gestalten und improvisieren. Von Tango bis Bach - das Akkordeon erweckt ganze Welten zum Leben. Die meisten Menschen kennen es vor allem aus der Volksmusik. Dass das "Instrument des Jahres 2026" viel mehr kann, beweisen Claudia Buder, Professorin an der Hochschule für Musik in Weimar, und ihre ehemalige Schülerin, die Leipzigerin Susanne Stock. Die Bach-Fugen, sagt Susanne Stock, könne man auf dem Akkordeon sogar viel genauer spielen als auf dem Cembalo. In Weimar lehrt Claudia Buder ihre Akkordeonschüler neuere Musik und Jazz. "artour" stellt das vielseitige Instrument und die beiden herausragenden Akkordeonistinnen vor. Science-Fiction als Seelenerkundung: Woods of Birnam vertonen "Solaris" "Solaris" heißt das neuste Projekt der Dresdner Band "Woods of Birnam" um den Schauspieler und Sänger Christian Friedel. Ein Konzeptalbum, welches die dramatische Weltraum-Expedition zum mysteriösen Planeten Solaris zum Thema hat. Solaris ist von einem intelligenten Ozean bedeckt, der in der Lage ist, menschliche Erinnerungen zu materialisieren. Anstatt Kontakt mit den Forschern aufzunehmen, spiegelt Solaris immer nur das Wesen des Menschen selbst. Dem Album liegt der berühmte Science-Fiction-Roman des polnischen Autoren Stanisław Lem von 1961 zu Grunde. Die Geschichte um Solaris wurde mehrmals verfilmt, unter anderem von Andrei Tarkowski. Der Schauspieler Christian Friedel, sehr erfolgreich geworden mit den Filmen "Das weiße Band", "Elser", "The Zone of Interest", hat aus Lems Vorlage ein Theaterstück inszeniert und mit seiner Band Songs beigesteuert. Mit diesen Solaris-Songs ist er nun auf Tour. "artour" hat ihn in Leipzig getroffen. Kulturkalender - Kunsthaus Apolda: "Günter Rössler zum 100. Geburtstag: Akt- und Modefotografie", Ausstellung bis 3. Mai - Theater Magdeburg: "Die Hölle auf Erden", Komödie von Maria Lazar, Deutsche Erstaufführung - Premiere am 23. Januar - Augen auf - Kinotag zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus: Wann erhebe ich meine Stimme? Kinoaktionstag u.a. auch in Dresden und Erfurt mit Voraufführung des Films "Das geheime Stockwerk" am 27. Januar