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artour

Kultur, Magazin • 16.01.2026 • 01:25 - 01:55
Die Moderatoren der Sendung Thomas Bille und Evelyn Fischer.
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Moderatorin Evelyn Fischer.
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Moderator Thomas Bille.
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artour - Logo
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Originaltitel
artour - Das Kulturmagazin des MDR
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Kultur, Magazin
Buchstadt Leipzig bald ohne Literaturhaus? Internationale Literaturstars wie Ian McEwan und Omri Böhm haben hier gelesen, Erfolgsautoren wie Steffen Mau, Peter Sloterdijk oder Uwe Wittstock. Christa Wolf war zu Gast und Wolfgang Hilbig, Volker Braun, Martina Hefter und die aktuelle Büchnerpreisträgerin Ursula Krechel. Trotz erfolgreicher Arbeit droht dem Literaturhaus Leipzig jetzt die Schließung. Denn in den letzten 30 Jahren finanzierte sich das Literaturhaus vorwiegend aus Stiftungsgeldern und kostete die Stadt Leipzig fast nichts. Das Vermögen stammt aus Wendezeiten, seitdem wurde sparsam mit den Rücklagen gewirtschaftet. Doch jetzt ist das Geld endgültig aufgebraucht. Die traditionsreiche Buch- und Literaturstadt Leipzig muss entscheiden: Kann sie die Kosten - zuletzt knapp 200.000 Euro pro Jahr - übernehmen? Oder muss das Literaturhaus schließen? Es wäre die erste Schließung dieser Art in der fast 40-jährigen Geschichte der Literaturhäuser in Deutschland. Inzwischen haben sich die 17 anderen Literaturhäuser des Landes mit dem Leipziger Haus des Buches solidarisiert und eine Petition für den Erhalt gestartet. Mit ungewissen Aussichten, denn der Stadt sind aufgrund der klammen finanziellen Haushaltslage die Hände gebunden. Die neue Wehrerfassung Seit Anfang des Jahres erhalten alle Jugendlichen des Jahrgangs 2008 Post vom Staat: Sie sollen eine Wehrerfassung ausfüllen. Für Jungen ist sie verpflichtend, für Mädchen freiwillig. Am 5. Dezember hat die Bundesregierung das neue Wehrgesetz beschlossen. Ziel: Die Bundeswehr soll deutlich wachsen - auf bis zu 460.000 Soldaten und Reservisten. Ab 2027 sollen junge Menschen dann auch wieder verpflichtend gemustert werden. Vorerst bleibt der Wehrdienst freiwillig, heißt es. Doch falls sich nicht genügend Freiwillige melden, soll gelost werden. Kritiker sprechen von einer Wehrpflicht durch die Hintertür. "artour" blickt zurück auf die Geschichte der Musterung in Deutschland nach 1945. Auf medizinische Untersuchungen, politische Konflikte und persönliche Schicksale. Wir sprechen mit einem Anwalt, der in Westberlin einst Wehrdienstverweigerer verteidigte, mit dem Schriftsteller und ehemaligen NVA-Grundwehrdienstleistenden Thomas Brussig - und fragen junge Menschen heute, was sie von der Wehrpflicht halten. Doch was tun? Den Verrückten spielen wie Felix Krull? Sich durchschummeln, klagen - oder sich stellen? Die reaktivierte Musterungspflicht wirft alte Fragen neu auf: nach Gewissen, der Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen und zumindest der Pflicht, selbst zum Handelnden in einer Demokratie zu werden. Dokumentation über Astrid Lindgrens Kriegstagebücher "Schade, dass niemand Adolf Hitler erschießt" - das ist ein Satz der berühmtesten Kinderbuchautorin der Welt. Ein Satz, den wohl niemand von Astrid Lindgren erwartet hätte, der Schöpferin von "Pippi Langstrumpf". In ihren zwischen 1939 und 1945 entstandenen Kriegstagebüchern schildert Lindgren den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive einer Mutter und Humanistin: die Schrecken von Diktatur und Judenverfolgung, aber auch ihre Hoffnung auf Mitmenschlichkeit. Der Regisseur Wilfried Hauke hat jetzt einen Dokumentarfilm über Lindgrens Kriegstagebücher gedreht: "Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren". Erstmals sprechen die Tochter, die Enkelin und der Urenkel gemeinsam in einem Film über die legendäre Schriftstellerin, zentrale Stellen der Kriegstagebücher hat Hauke mit einer Schauspielerin nachinszeniert. Die aufwändige und sehr sehenswerte Dokumentation startet am 22. Januar in den Kinos. Hans-Ticha-Retrospektive in Rostock Hans Ticha war in der DDR einer der wichtigsten und vielseitigsten Künstler und ist bis heute aktiv - und dennoch ist er für viele noch ein Unbekannter. Dabei besticht sein Werk durch Vielseitigkeit, Pop-Elemente und Gesellschaftskritik. Er gilt als "Warhol des Ostens", während er selbst seinen Stil "Agitpop" nennt. In der DDR malt er Ende der 1970er-Jahre im Verborgenen: Bilder, die das gesellschaftliche Leben kritisch beleuchten. Diese Arbeiten, z.B. "Klatscher" oder "Mauer", musste er verstecken. Erst nach der Wende werden sie erstmals öffentlich gezeigt. Zu seinem 85. Geburtstag präsentiert die Kunsthalle Rostock bis 15. März eine umfangreiche Retrospektive: mit frühen Arbeiten aus seiner Studienzeit in Berlin, mit seinem Frühwerk und späten, sehr aktuellen Arbeiten wie "Wutbürger" oder "Wir sind heute das Volk". Kulturkalender