Die Wirtschaft kommt nicht richtig voran; allenfalls ein Prozent Wachstum sind 2026 zu erwarten. Die Folgen sind jetzt auch auf dem Arbeitsmarkt zu sehen: In diesem Winter ist die Arbeitslosenzahl erstmals wieder auf über 3 Millionen gestiegen. Um die Konjunktur in Gang zu bringen, will die Union das Recht auf Teilzeit einschränken. Was bringt das – außer die Menschen mit dem Vorwurf "Lifestyle-Teilzeit" gegen sich aufzubringen? Inzwischen hat sich die Vorsitzende der Mittelstand- und Wirtschaftsunion, Gitta Connemann, nach viel innerparteilicher Kritik für den Begriff entschuldigt. Aber in der Sache bleibt es dabei: Auf dem Bundesparteitag Ende Februar will die CDU darüber diskutieren, den Rechtsanspruch zu beschneiden. Begründet wird das unter anderem mit dem demographischen Wandel. Wenn die Babyboomer in Rente gehen, fehlen dem Arbeitsmarkt sieben Millionen Beschäftigte. Wie kann die Politik gegensteuern? Die Antwort der Union steht fest: Alle müssen mehr arbeiten. Deutschland hat eine der niedrigsten wöchentlichen Arbeitszeiten in Europa und eine der höchsten Teilzeitquoten. Um diesen Trend umzukehren, sollen bald nur noch solche Menschen weniger arbeiten dürfen, die Kinder betreuen oder kranke Angehörige pflegen. Alle anderen müssen das künftig individuell mit ihrem Arbeitgeber aushandeln. "Mit Work-Life-Balance lässt sich unser Wohlstand nicht sichern," sagt Kanzler Merz. Sind die Deutschen zu faul zum Arbeiten? Oder sind steuerliche Fehlanreize der Grund dafür? Welche Rolle spielt das Ehegattensplitting, woran die Union bisher eisern festhält? Anders als bei der Teilzeit sind sich die Koalitionspartner aber darin einig, die Arbeitszeitvorschriften zu flexibilisieren. Statt eines Acht-Stunden-Tages soll künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden gelten. Das ruft die Gewerkschaften auf den Plan, die den Acht-Stunden-Tag 1918 erkämpft haben. Ist das Arbeitszeitgesetz ein Hemmschuh für die wirtschaftliche Erholung oder eher ein Garant gegen Ausbeutung? Wie viel individuelle Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit können wir uns leisten?