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Precht

Gespräch • 10.05.2026 • 23:40 - 00:25
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Originaltitel
Precht
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Gespräch
Öffentliche Denker sind der moralische Kompass von Gesellschaften. Doch im großen Rauschen des Internets werden sie kaum gehört. Darüber diskutiert Richard David Precht mit Juli Zeh. Jürgen Habermas und Alexander Kluge sind unlängst gestorben. Welche Rolle hatten diese und andere Denkerinnen und Denker in unserer Gesellschaft. Welche Rolle spielen Intellektuelle heute und wie können sie im digitalen Zeitalter überhaupt noch durchdringen? Ist in unserer gegenwärtigen Gesellschaft überhaupt noch Platz für Intellektuelle, die sich mit den Konflikten der Zeit auseinandersetzen und sich selbstbewusst einmischen? Juli Zeh ist davon überzeugt: Die Menschen sehnen sich gerade heute nach klugen Köpfen, die unsere Krisen und das Chaos in der Welt nicht nur einordnen können, sondern auch laut über Auswege nachdenken. Das Vertrauen in die Institutionen sei gesunken. Gerade deshalb suche man bei freien Denkern und Denkerinnen nach Orientierung. In den 1960er- und 1970er-Jahren erhielt die Politik von den Intellektuellen der Zeit deutlich mehr Impulse für gesellschaftliche Veränderungen. Heute stagniere dieser Diskurs in einer allzu breiten Mitte, so Precht. Während damals eine allgemeine Aufbruchstimmung herrschte, fürchtet man sich heute primär vor Verlusten. Es mangele heute an einer substanziellen Vision von gemeinsamer Zukunft, attestiert Juli Zeh. Diese wird nun vermehrt von den radikalen Rändern beschworen - jedoch als eine rückwärtsgewandte Vision und kaum als eine konstruktive Vorstellung eines demokratischen Morgens. Möglicherweise braucht die Gesellschaft mehr als nur eine rationale Einsicht in den Wert der Demokratie, so Zeh. Demokratie beruhe auf Voraussetzungen, die sie selbst nicht schaffen kann, so definierte es schon Ernst-Wolfgang Böckenförde. Geteilte Tradition, geteilte Lebenswelten, ähnliche Erfahrungen - alles Elemente, die in einer hochindividualisierten Gesellschaft verloren gehen.